Die Koptisch-Orthodoxe Gemeinde in Bocholt ist eine wachsende Gemeinschaft von rund 60 Haushalten (Familien und Einzelpersonen), von denen bereits über die Hälfte die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt. Als Teil der Diözese Süddeutschland sieht sich die Gemeinde als aktiver Bestandteil des kirchlichen und gesellschaftlichen Lebens in der Region.
Das Hauptanliegen ist es, Glaube, Gemeinschaft und Nächstenliebe im Alltag zu leben. Langfristiges Ziel ist die Schaffung eines festen Ortes für Gebet, Bildung und Miteinander, um den Auftrag Christi in der Stadt zu verwirklichen.
Mission: Eine offene, glaubensstärkende und dienende Gemeinschaft zu sein, die Gottes Liebe erfahrbar macht. Sie möchten Menschen unabhängig von ihrer Herkunft begleiten und christliche Werte fördern, wobei jeder Mensch als von Gott geliebtes Geschöpf gesehen wird.
Vision: Die Gemeinde soll ein Ort werden, der inspiriert, verbindet und Hoffnung schenkt, und an dem alle Altersgruppen (Kinder, Jugendliche, Familien, Senioren) gemeinsam wachsen können. Der Traum ist es, ein sichtbares Zeichen der Einheit, Liebe und Integration in der Bocholter Gesellschaft zu werden.
Die Koptische Kirche ist die nationale Kirche der ägyptischen Christen. Ihre Gründung wird dem Evangelisten Markus zugeschrieben, der als erster Patriarch des apostolischen Stuhls Alexandriens gilt. Die koptische Tradition erinnert zudem an die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten.
Die Kirche hat ihre eigene Zeitrechnung, die Ära der Märtyrer, beginnend im Jahr 284 n. Chr. (Amtsantritt Kaiser Diokletians). Das Märtyrertum ist ein zentraler und konstanter Bestandteil der koptischen Identität.
Die Vitalität der Kirche beruht auf drei Säulen: dem Mönchtum (als Basis für die Bischofswahl), der Laienarbeit (mit karitativen/administrativen Aufgaben und Mitwirkung bei Entscheidungen) und der Jugendarbeit (Träger der Sonntagsschulen).
Geführt wird die Kirche von Papst und Patriarch Tawadros I, dem 118. Nachfolger des hl. Markus (gewählt 2012). Die zunehmende Verfolgung und die schlechteren Lebensverhältnisse in Ägypten führten seit 1967 zur größten Auswanderungswelle der Kopten und zur Entstehung großer koptischer Gemeinden weltweit, insbesondere in Europa und den USA.
Die Bibel bezeugt die besondere Rolle Ägyptens (Jes 19, 19). Kulturelle und theologische Bildung war von Anfang an wichtig, belegt durch die Theologenschule von Alexandrien, die berühmte Kirchenväter wie Origenes hervorbrachte.
Die Koptische Kirche ist der Ursprung des christlichen Klosterwesens. Ende des 3. Jahrhunderts entwickelten sich das Mönchtum (Paulos der Einsiedler) und das Klosterleben (hl. Pachom). Die Verbreitung der Lebensweise der Wüstenväter beeinflusste auch die Römische Kirche (z. B. hl. Augustinus).
Die Koptische Kirche kennt sieben Sakramente (Mysterien), die nur von Bischöfen und Priestern gespendet werden dürfen:
Die Kirche feiert **Große Herrenfeste (u. a. Geburt, Auferstehung, Pfingsten) und kleinere Feste. Das koptische Neujahr (Neuruz) beginnt am 1. Tout (11./12. September).
Koptische Gemeinden begannen Ende der 1950er Jahre in Deutschland zu entstehen. Die erste Messe fand 1960 in Mainz statt. Die Gemeindearbeit wurde ab 1975 in sieben Großstädten (z. B. Frankfurt, München, Berlin) etabliert.
Die Gemeinde Bocholt gehört zur Diözese Süd-Deutschland, die aktuell unter der Leitung von Bischof Anba Discorus steht.